Mädchen spielen mit Puppen, Jungs mit Autos -
klare Regeln die jahrzehntelang unerbittlich Bestand hatten. Doch spätestens seit der Frauenbewegung kam die Erkenntnis, dass die Geschlechtertrennung vor allem für Mädchen ein viel zu einengendes Korsett sei. Nach dem Motto: Als Mädchen wirst du nicht geboren, zum Mädchen wirst du gemacht - wurde daran gearbeitet, den kleinen Unterschied möglichst schon im Laufstall abzuschaffen. Sohn oder Tochter wurden ohne Festlegung auf typisch Junge oder typisch Mädchen erzogen. Doch die Ernüchterung kam spätestens dann, wenn der Fünfjährige die Banane zur Pistole umfunktionierte und seine kleine Schwester unter Protestgeschrei das rosa Kleidchen statt der blauen Latzhose forderte. Hatten die Eltern etwas falsch gemacht oder war der kleine Unterschied doch größer?sie so in eine - von der Natur bereits vorgegebene- Richtung.
Wissenschaftler beschäftigen sich schon lange mit der Geschlechterforschung. Und was sich bereits in den 70er Jahren abzuzeichnen begann, stellte sich immer mehr als richtig heraus: Jungen und Mädchen sind verschieden. Und wer ist daran „schuld“? Die Natur oder die Erziehung - auf jedem Fall von beidem ein bisschen. Klar, spielen die Gene eine Rolle. So fanden die Biologen beispielsweise heraus, dass männliche Gehirne anders funktionieren als weibliche.
Doch auch die Umwelt ist nicht zu vernachlässigen: Großeltern, Kindergärten, Schulen, Computerspiele, das Fernsehen - dagegen kommen die fortschrittlichsten Eltern nicht an. Und selbst wenn der Vorsatz da ist, den Nachwuchs geschlechtsneutral zu erziehen, geht man doch in vielen Situationen unbewusst anders mit der Tochter als mit dem Sohn um und prägt
Ein Beispiel dafür ist die Art mit dem Kind zu sprechen. So wird mit weiblichen Babys nachweislich häufiger geredet, deren Sprachzentrum sich schneller entwickelt und die deshalb früher und ausführlicher auf die Worte anderer eingehen können. Dafür wird mit kleinen Jungs mehr getobt. Sie belohnen das mit Ausgeglichenheit und guter Laune, weil sie durch ihre männlichen Hormone mehr Spaß an der Bewegung haben, so die Wissenschaftler.
Wie dem auch sei, den Frauen und Männern von morgen sind diese Überlegungen allesamt relativ egal. Dass Jungen anders sind als Mädchen scheint den Kleinen nichts auszumachen. Ja, sie brauchen sogar dieses Ausleben der Geschlechterrolle, um zu verstehen, wo sie denn nun hingehören. Und so verkleiden sie sich zum Beispiel im Alter zwischen drei und fünf besonders gerne als Cowboy und Prinzessin. Eltern sollten ihre Kinder gewähren lassen. Denn Mädchen und Jungen können nur dann zu starken Frauen und Männern heranwachsen, wenn sie sein dürfen was sie sind und sein wollen. Und zwar mit all ihren persönlichen Begabungen und Wünschen, typisch eben.
