„Guten Tag, guten Tag, wir winken uns zu.“
singen sie, die neun Frauen, die da mit ihren nackten Babies auf dem Schoß im Kreis auf dem Fußboden sitzen. Doch halt! Bei einer von ihnen sitzt gar kein echter Wonneproppen, sondern eine Puppe mit roten Haaren. Das ist die Kursleiterin, die, wie jede Woche, die acht Mütter und Kinder ihrer PEKiPGruppe musikalisch begrüßt.
„PEKiP“, was wie eine geheime Zauberformel klingt, ist die Abkürzung für das Prager-Eltern-Kind-Programm, ein entwicklungsbegleitendes Kozept für etwa gleichaltrige Kinder im ersten Lebensjahr. Erfunden wurde es in den 60er Jahren vom einem Prager Psychologen, dessen Ziel es war, die Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen und zu fördern, ihnen den Kontakt zu Gleichaltrigen zu ermöglichen, aber auch die Beziehung zu den Eltern zu festigen. Die extra ausgebildetete Kursleiterin hat dabei die Aufgabe den Ablauf der jeweils eineinhalbstündigen wöchentlichen Treffen zu bestimmen, Anregungen für Lieder und altersgerechte Spiele zu geben, die Kinder zu beobachten und auf Fragen der Eltern zu antworten.
Mit den Kindern singen und spielen, das passiert auch in „normalen“ Krabbelgruppen. Das besondere an PEKiP ist jedoch, dass die Babys während der eineinhalb Stunden nackt sind, damit sie sich besser bewegen können. Dafür wird der Raum auf 27 Grad angeheizt und der Boden ist mit Matten und Handtüchern ausgelegt. Dann liegen sie da, die sechs bis acht (mehr sollten nicht in einer Gruppe sein) nackten Babys, rollen sich vom Rücken auf den Bauch und vom Bauch auf den Rücken, betrachten und berühren sich gegenseitig, spielen, „reden“, schreien, weinen, sabbern und manchmal machen sie auch Pipi. Jedes Kind soll das machen, was es mag, und das in seinem eigenen Tempo.
Das ganze erste Lebensjahr lang ab der vierten bis sechsten Lebenswoche kommen die Babys und ihre Mütter wöchentlich zusammen, und mit dem Alter der Kindern ändern sich auch die Spiele. Doch nicht nur die Kinder lernen etwas bei den Treffen, sondern auch die Mütter. Sie tauschen sich über Breirezepte, Hausmittel gegen Kinderkrankheiten und ihre alltäglichen Freuden und Sorgen aus.
Über 50.000 Kinder machen deutschlandweit PEKiP. Kurse werden meist von Familienbildungsstätten, Hebammenpraxen oder Kliniken angeboten. Doch häufig gibt es lange Wartelisten. Darum empfiehlt es sich, sich frühzeitig nach Kursen zu erkundigen und das Kind gleich nach der Geburt dort anzumelden.
Mehr Informationen zum Prager-Eltern-Kind-Programm gibt es im Internet unter www.pekip.de
